Runde zwei für Europas größten Lkw-Praxistest

In den kommenden drei Jahren begleiten wir neun Sattelzüge von sieben Lkw-Herstellern im Alltag bei der Spedition Reinert.

Der Lkw-Test-Marathon geht weiter: Die alten bestof9.eu-Trucks satteln nach gut 300.000 Kilometern ab, die neuen Kandidaten satteln auf. War die erste Runde den „Vernunft“-Sattelzugmaschinen um 420 PS gewidmet, geht es nun um die „Brot-und-Butter“-Zugmaschinen der Klasse um 440 bis 460 PS. Besohlt mit neuen „XLine“-Pneus von Michelin bleiben hinter den Lkw die gleichen Schmitz-Cargobull-Tiefkühlsattel im Rennen, die schon in der ersten Runde dabei waren: Sie sind ja gerade erst eingefahren. Widmen wir uns den neuen Testfahrzeugen. Die Grundidee für die zweite Auflage dieses Praxistests war die Diskussion um den Begriff Downsizing. „Klein gegen Groß“ könnte man auch sagen.

Gemeint ist der Trend, den angestammten 13-Liter-Motor durch hubraumkleinere 11-Liter-Motoren zu ersetzen. Der Trend ist so neu übrigens nicht, schließlich begann bereits vor Jahren Iveco, mit seinem 10,8 Liter großen „Cursor 11“ die Leistungsklassen 420, 460 und 480 PS abzudecken. Für einige Konkurrenten hingegen bot der Wechsel von Euro 5 auf Euro 6 die Chance, völlig neue Motoren zu entwickeln; so geschehen bei DAF und bei Mercedes. Renault und Volvo kooperieren ja bekanntlich über den gesamten Antriebsstrang.

Motorkombinationen

Während Volvo den großen „D13“-6-Zylinder mit 12,8 Liter Hubraum nur in der „FH“- Baureihe einsetzt, kann man den kleineren „DTI 11“ bei Renaults neuer „T“-Baureihe nur in der kleineren „Sleeper Cab“-Baureihe ordern. Andersherum lässt Volvo den kleinen „D11“ nur im „FM“ zu, Renault den großen „DTI 13“ nur in der „High Sleeper-Cab“ mit ebenem Kabinenboden. Ergo ordneten wir dem Volvo den großen Motor zu, dem Renault den kleinen DTI, weil wir damit im Kabinenschema bleiben. Schon aus Aerodynamik-Gründen zieht die ausführende Spedition Reinert Logistics nicht die größtmöglichen Kabinen vor. Aber natürlich sprechen auch Gewichtsgründe gegen „XXL“ (MAN), „Topline“ (Scania) oder „Super Space Cab“ bei DAF. Iveco liefert den neuen „HiWay“ nur mit Hochdach oder Normaldach aus, eine Zwischengröße gibt es nicht. So haben alle bestof9.eu-Trucks die zweithöchste Kabine mit unter zwei Meter Stehhöhe – außer dem Iveco, der innen 203 Zentimeter hoch ist.

Zwei Hersteller doppelt

Bei den Doppelbelegungen entschieden wir uns diesmal für DAF und Mercedes. Beide vermarkten jeweils einen 11- beziehungsweise 13-Liter-Motor in einer Lkw-Baureihe. Das lässt den direkten Vergleich zwischen Downsized- und Normal-Motor unter optimalen Bedingungen zu. Bei DAF orderte Reinert zwei äußerlich gleiche „XF 105 Space Cab“ mit 435 und 462 PS. Die schwächere Variante treibt der erst voriges Jahr vorgestellte „Paccar MX 11“-Motor mit 10,8 Liter Hubraum an, die stärkere der „MX 13“ mit 12,8 Litern. Hier 2.100, dort 2.300 Newtonmeter Drehmoment. Dort, wo gefahren wird – im Falle der DAF bei sehr moderaten 1.150 Umdrehungen – trennen die beiden Motoren gut 20 kW oder 27 PS, mithin also eine ganze Leistungsklasse.

Aber: Der 440er DAF ist real um 177 Kilogramm leichter als sein hubraumstärkerer Bruder. Bei Mercedes duellieren sich der 10,7 Liter große „OM 470“ im „1843“ mit 315 kW/ 428 PS und der „OM 471“ mit 12,8 Liter Hubraum und 330 kW/449 PS im „1845“. Der Gewichtsunterschied bei diesen beiden: 162 Kilogramm. In Sachen Drehmoment liegen diese beiden mit 2.100 beziehungsweise 2.200 Newtonmeter nur scheinbar enger zusammen, bietet doch der OM 471 im höchsten Gang einen Drehmoment-Boost auf 2.400 Newtonmeter. Ohne diese „TopTorque“-Einrichtung lägen die beiden Mercedes bei 1.200 Umdrehungen nur gut zehn Kilowatt in der Leistung auseinander, mit dem Booster sind es dagegen 38 kW oder fast 52 PS – und das sind schon mal zwei ganze Leistungsklassen. Allerdings nur im höchsten Gang. Den kann der Mercedes 1845 aber selbst in Steigungen angesichts dieses Drehmomentangebotes besonders lange halten. Diese beiden Paarungen werden uns also zeigen, wo die Reise in Sachen Downsizing hingeht. In der Tabelle haben wir das Leistungsangebot im Bereich des maximalen Drehmoments ausgerechnet und eine Zeile darunter bei Marschgeschwindigkeit 85 Stundenkilometer, wenn die Volllast abgerufen wird. Die entsprechenden Achsübersetzungen sind hier berücksichtigt, ebenso gleich abgefahrene (beziehungsweise neue) 315/70 Michelin X-Line (3.100 mm Abrollumfang).

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