Kleiner Hubraum, langer Atem

[Transport Nr. 20 / Nov. 2016] Der „Stralis Hi-Way“ aus der bestof9.eu-Flotte überzeugt durch gute Fahrbarkeit, obwohl sein Motor mit nur elf Litern Hubraum auskommt. Kleinere Qualitätsmängel trüben das an sich sehr gute Gesamtbild

„Sagenhaft, wie der rollt“, raune ich in mein Diktiergerät, „und das ohne Augen.“ Eco Roll ja, GPS-Tempomat: nein. So steht’s in der Ausstattungsliste dieses bestof9.eu-„Iveco Stralis Hi- Way“. Den GPS-Tempomaten namens „Hi-Cruise“ gibt es für den Stralis ja erst seit Sommer dieses Jahres. Vor zwei Jahren, als unser Test-Kandidat in Dienst gestellt wurde, war nur Eco-Roll verfügbar. Immerhin mit einstellbaren Hysteresen also Grenzgeschwindigkeiten, innerhalb derer das System arbeitet. So wertig das neue, hinterschäumte und in samtigem Schwarz gehaltene Armaturenbrett wirkt, so zerbrechlich zeigen sich manche Details der Hi-Way-Kabine: Sebastian zeigt mir die abgebrochene Halterung der großen Stauklappe über dem Fahrersitz: Die ganze Klappe sieht schon nicht besonders stabil aus, der Aufnahmepunkt für den kleinen Gasdruck-Dämpfer hat kapituliert – zu schwach. Auch die Verkleidung des Gurtschlosses ist schon längere Zeit abgängig. Erste Erosionsspuren auch am rechten Vorhang: Traurig hängt er mit zwei gebrochenen Rutschern in seiner Schiene. Die Dioden-Leselampe gleich daneben: ohne Funktion.

Sitz nicht mehr ganz frisch

Kommen wir zum Isringhausen-Komfortsitz: Technisch ist mit dem alles in Ordnung, der Bezug (außen Stoff, Innenflächen so etwas wie Alcantara) wirkt jedoch leicht angeschmuddelt. Wer jetzt händereibend alte Iveco-Vorurteile auspackt, ist ungerecht: All diese Mängel können genausogut auf einen liederlichen Fahrer zurückgehen, der einen gewissen Reparaturstau bei den genannten Punkten zuließ. Kein sichtbarer Verschleiß dagegen im Armaturenbrett und an den Schaltern: Alles wie neu, auch die Beschriftungen. Dass der filigrane Becherhalter-Ausschub noch 1 A funktioniert, nimmt freilich Wunder. Ein rabiater Kniekontakt, und das Ding wäre abrasiert.

Von rechts auf die Plattform

Beim Umsatteln fällt auf: Die Arbeitsplattform des Iveco will von der rechten Seite bestiegen werden. Allgemein üblich und mit kürzeren Wegen verbunden ist jedoch der Zugang von der Fahrerseite her. Von den Anschlüssen her ist die andere Seite aber zumindest logisch: Luftseitig soll man ja zuerst die gelbe Steuerleitung anschließen. Das geht von rechts kommend leicht, weil noch keine anderen Leitungen im Weg sind. Die rote Vorratsleitung kommt dann als letzte. Von der Arbeitssicherheit her gesehen ist der Zugang von rechts also die bessere Lösung.

Bei den ersten Handling-Kilometern gefallen uns neben den guten Rolleigenschaften auch die angenehme Geräuschkulisse am Fahrerplatz. Der Hi-Way rollt leise ab, kein Trampeln an der Vorderachse, der Motor brummelt vernehmlich, aber ohne störende Frequenzen vor sich hin – und das nach dieser schon beachtlichen Kilometerleistung. Und: Dieser Stralis hat noch das alte, sehr angenehme Blinkergeräusch. Beim neuen fräst sich förmlich ein schriller Piepton in die Gehörgänge. Auch das seitenbezogene Warngeräusch des Spurhaltewarners ist bei diesem Baujahr vergleichsweise erträglich.


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