Nach 140.000 Kilometern

[Transport Nr. 21 vom 20. November 2015] Die zweite Auflage von Europas größtem Lkw-Praxistest läuft nun ein Jahr. Schon sind 140.000 km auf dem Zähler. Die beiden „Mercedes-Benz Actros“ behaupten sich im Spitzenfeld. Höhere Streckenschwere und Gewichte machen sich bemerkbar.

Im Herbst 2014 auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover gaben wir den Startschuss für die zweite Auflage von Europas größtem Lkw-Praxistest bestof9.eu. Gemessen haben wir ab 1. November 2014. Die Zeit ist also nach unserer ersten Halbjahresbilanz (siehe Transport Nr. 12, 26. Juni 2015) reif für eine zweite Bestandsaufnahme der zweiten Staffel.

Am Stichtag September 2015 hat sich in Sachen Verbrauch eigentlich wenig getan. Nach wie vor glänzt der „Mercedes-Benz Actros 1845“ mit einem Verbrauch von knapp unter 27 Litern auf 100 Kilometer.

Schaut man sich die „Fleetboard“-Auswertungen an, wird klar, dass auch Fahrer Maik Riedel hier seinen Anteil hat. Er liefert hier kontinuierlich Noten um 9,6 bis 9,7 ab, beim vorausschauenden Fahren bewertet Fleetboard mit einer fast schon sagenhaften 9,96. Unterwegs ist Maik Riedel in der Regel mit einem durchschnittlichen Gesamtgewicht von 30 Tonnen. Und was noch bemerkenswerter ist – Fleetboard zeichnet auch das auf – er nutzt zu 83 Prozent der Fahrzeit den vorausschauenden Tempomat, bei Daimler „PPC“ genannt. Sein Kollege Manfred Borrack ist laut Fleetboard nicht ganz so geschmeidig unterwegs (Gesamtnote Fahrweise 9,45), dafür aber zwei Tonnen leichter.

Zwei Actros und ein Scania vorn

Damit wäre auch schon erklärt, warum die beiden Actros derzeit die Spitze bei bestof9. eu unter sich ausmachen. Enorm zugelegt hat auch der „Scania 450“: Er schob sich von Platz fünf auf Platz drei vor und nähert sich der Marke von 27 l/100 km. Der „MAN TGX 440“ behauptet unverändert seinen vierten Platz, während der „Volvo FX 460“ vom zweiten auf den fünften Rang abfällt. Hier liegt der Grund hauptsächlich in einer deutlich höheren Auslastung. Über dem Flottendurchschnitt tat sich also mehr als unterm Durchschnitt. Trotz der Nachschau in Eindhoven kommt der „DAF XF 440“ weiter auf keinen grünen Zweig.

Nach dem Einbau der DAF-Telematik mit Fahrstilanalyse wissen wir nun aber mehr über die Fahrweise von Pilot Wolfgang Bittner. Er lässt laut Fuhrparkleiter Frank Peters bei weitem nicht so schön rollen wie der Fahrer des großen „DAF 460“ Maik Bastian. Aber ganz allein kann Wolfgang Bittner nicht an den immer noch zu hohen Verbrauchswerten des 440er DAF schuld sein. Seine Einsatzschwere hat sich nach oben verändert, wie bei manch anderem auch. Deutlich sichtbar wird die Verbrauchsentwicklung aller neun Kandidaten über die bisherigen zehn gemessenen und ausgewerteten Monate: Mit einigen Ausreißern (Renault und DAF 440) bewegte sich die Flotte über den letzten Winter relativ homogen, mit besonders gleichmäßigen Phasen von Januar bis März. Einziger wirklicher Ausreißer war eben der DAF 440 mit dem kleinen, 10,8 Liter großen „MX 11“-Motor, der nun ständig um die 30 Liter konsumierte. Nach der ersten Bestandsaufnahme bis April 2015 musste da etwas geschehen.

Betrachtet man die Laufleistung bis Ende September, so liegt der Flottendurchschnitt hier bei gut 140.000 Kilometern. Der DAF 440 und der „Renault T 460“ bilden auch hier wieder das Schlusslicht: Der DAF war gut zwei Wochen in Eindhoven, das erklärt seine etwas geringere Laufleistung, der Renault hatte technische Probleme. „Unser Sorgenkind“, wie auch Frank Peters bestätigt. „Vom Start weg war der Renault ein bisschen zu oft in der Werkstatt“. Der Fuhrparkleiter notiert Softwareprobleme, weiters zugesetzte AdBlue-Düsen, zwei NOx-Sensoren mussten erneuert werden, ein Lufttrockner, das AdBlue-Dosiermodul und ein Steuergerät. Alles auf Garantie, versteht sich.

Aber auch der 440er DAF und der Volvo 460 besuchten wegen fehlerhafter AdBlue-Einspritzung die Werkstatt. Es scheint, da funktioniert noch nicht alles so, wie es soll. Wir halten da mal weiter ein Auge drauf. Grobe Gewaltschäden gab es bisher zum Glück noch keine. Lediglich ein paar Schrammen und Rempler hier und da – nichtsSchlimmes.


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