Am Berg wird’s eng

[Transport Nr. 4 / Feb. 2017] Nach dem kleinen DAF muss nun der kleine „Mercedes-Benz Actros“ im bestof9.eu-Einzeltest auf die Transport-Runde. Der Mercedes zeigt sich zwar sparsamer als der DAF, so richtig erfolgreich agiert aber auch der kleine Actros auf unserer relativ schweren Strecke nicht.

„Ist der kleine Motor besser als der Große?“ – das herauszufinden war neben dem Wettbewerb der Marken ein weiteres Hauptmotiv des zweiten bestof9. eu-Flottentests. Angetreten waren – wir erinnern uns – neben der 450/460-PS-Klasse, üblicherweise mit 13 Liter großen Motoren dargestellt, auch zwei Doppelbelegungen mit jeweils kleineren, nur 10,8 (DAF) beziehungsweise 10,7 Liter (Mercedes-Benz) großen Motoren. Das Duell im Duell heißt also „DAF XF 460“ gegen „DAF XF 440“ und „Actros 1845“ gegen „Actros 1843“.

Letztere Typbezeichnung ist der Kurzname für diesen Testkandidaten, den „Actros Stream Space“ mit dem 10,7 Liter großen „OM 470“-Motor. Die gröberen Zusammenhänge wären damit umrissen. Bereits die Ergebnisse des kleinen DAF deuteten an, dass es schwierig werden würde für die kleineren Motoren.

Einen Vorteil haben sie ja: Sie sind zwischen 150 und 170 Kilogramm leichter als ihre großen Brüder mit jeweils zwei Litern Hubraum mehr. Aber: Sie konsumieren auch mehr Diesel und erreichen nicht die Geschwindigkeiten der großen Motoren, so jedenfalls die Hypothese. Aber stimmt das auch? Wir haben die Antwort gefunden. Und sie ist eindeutig. Kleine Kritikpunkte innen Für Manfred „Manne“ Borrack gilt das alles so erst mal nicht. Er habe da ja keinen Vergleich, bedauert der bestof9.eu-Fahrer der ersten Stunde. Für ihn ist sein 1843 in erster Linie einmal ein Actros und ein Mercedes. Da steht er drauf. Erst danach kommen in seinem Sympathie-Ranking der Volvo und der DAF, die er aus der ersten bestof9.eu-Staffel kennt.

Ihm ein paar Kritikpunkte aus der Nase zu ziehen, fällt direkt schwer. In Sachen Kabine und Wohnkomfort fallen ihm die Vorhänge ein, die – das stellten wir auch schon beim ausstattungsgleichen 1845 fest – ein bis zwei Zentimeter zu kurz sind. Der Stoff ist super und lichtdicht, aber untenrum eben nicht. Dann fallen Manfred doch noch ein paar Kritikpunkte ein: So seien ihm die schmalen Fächer der Dachkonsole zu niedrig, vorm Beifahrersitz fehlt leider das Klapptischchen (Sonderausstattung). Das grüne Nacht-Kabinenlicht sei schon lange ausgefallen und außerdem zu dunkel, er behilft sich mit den abgedimmten Leselampen. Außerdem schalte der Actros ziemlich langsam am Berg. Ein Punkt, der uns noch näher beschäftigen soll. Draußen beim Umsatteln weist Manne noch auf den knapp geschnittenen Arbeitssteg hinter der Kabine hin.

Der ist in der Tat zu schmal, jedenfalls beim Kühlsattel mit raumgreifendem Stirnaggregat. Der Kühlzug-Chauffeur schiebt seinen Zug nun mal erst dann endgültig zusammen, wenn er seine Anschlüsse mit etwas Freiraum angestöpselt hat, Berufsgenossenschaft hin oder her. Auch die starr angeschraubten Seitenverkleidungen werden kritisiert. Aufgesattelt kommt man da nur schwer an die beiden Feuerlöscher ran, die anstelle des Ersatzrads zwischen den Achsen montiert sind. Mir fällt bei den ersten Handling- Kilometern der trefflich anpackende Wasser-Retarder des Actros auf. Ganz anders als der irgendwie ausgeleiert und müde wirkende ZF-Intarder des zuletzt gefahrenen DAF XF 440, packt die vom Kühlwasser gespeiste Turbine ordentlich zu.

Sehr gut: Beim Ziehen der ersten Stufe schaltet der Actros einen Gang zurück, wenn es einer moderaten Anpassbremsung dienlich ist. So benutzt man die verschleißlose Bremse gerne und oft im Alltag. Freilich war dieser Wasser-Retarder nicht ganz ohne Mängel. Ein Rückruf in die Werkstatt beseitigte aber fix und dauerhaft den auftretenden Wasserverlust wegen einer lockeren Schraube.


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